Sasso Imèl: Wie eine deutsche Modemarke mit handmade Bags in Australien durchstartet

Sasso Imèl: Wie eine deutsche Modemarke mit handmade Bags in Australien durchstartet

Sasso_Imel_Handmade_Bags_Handgefertigte_Taschen_Aus_Australien
Du läufst einen der Strände am Gulf Saint Vincent entlang.
Azurblaues Meer, hochstehende Sonne. Es wird gesurft. Alle sind braungebrannt, sehen gut aus.
Fast ein wenig wie bei Bret Easton Ellis, nur viel netter. Eine Briese weht vom Ozean hinüber. Ein Pärchen
läuft an dir vorbei, grüßt. Beide tragen Sailorbags mit einem Schreibschrift-Logo bei sich. Plötzlich realisierst du,
dass das ja Taschen deiner eigenen Marke sind. Handmade, von dir selbst genäht. The Australian Dream, sozusagen.

Wäre das nicht ziemlich cool?

Felix hat genau das geschafft. Und zusammen mit seinem Sasso Adrian im australischen Adelaide eine Modemarke aufgebaut.
Wie er das gemacht hat, warum seine Produkte so besonders sind und welche Pläne er für einen Pop-Up-Store in Köln hat, verrät er bei uns im Interview.
Was macht eure Produkte so besonders?
Jedes Stück ist handgefertigt, sprich: in jedem Produkt steckt jede Menge Mühe und Begeisterung. Wir freuen uns einfach darüber, dass immer auch ein bisschen von uns selbst im Produkt zurück bleibt. Minimalistische Designs und robustes Material runden das Ganze ab.

Eure Taschen sind, wenn ich richtig recherchiert habe, aus Offcuts, also aus Verschnitt von Mesh, PVC oder Leder hergestellt, die normalerweise weggeschmissen würden. Wie seid ihr ursprünglich auf diese Idee gekommen? Wie kommt ihr an das Material?
Stimmt, unsere Taschen werden aus Off-Cuts hergestellt. Wir hatten ursprünglich die Idee, auf jeden Fall mit widerstandsfähigem, aber dennoch kostengünstigem Material zu arbeiten. Ich habe zeitweise in einer Segelmanufaktur gearbeitet, die Sonnensegel produzieren und dabei mit schattierten Strukturen planen. Dort fielen dermaßen viele Abfälle an, dass ich gleich nach Möglichkeiten suchte, die Stoffe, die sonst im Müll gelandet wären, anderweitig zu verwenden. Die entsprechenden Skills hatte ich aus meinem Architektur- und Design-Studium. Paart man dieses Vorwissen mit der Idee leidenschaftlich gerne Klamotten auf den Markt bringen zu wollen, kommt man relativ schnell auf den Trichter, sich selbst vor die Nähmaschine zu hocken. Sasso Imèl hat sich dann in erster Linie auf die Produktion von alltagstauglichen Bags konzentriert, egal ob es ins Büro, zum Strand oder einfach auf die Straße geht.

Wie viele Leute sind gerade bei Sasso Imèl mit dabei? Laut Facebook-Seite seid ihr ja mindestens zu zweit. Wie sind die Aufgaben derzeit aufgeteilt?
In der Produktion sind wir zu zweit, zum Sasso-Klan gehören jedoch noch einige mehr dazu. Wenn man klein anfängt, stellt man automatisch erstmal viele Kontakte zu anderen Künstlern her und versucht die ein oder andere Zusammenarbeit zu realisieren. Ich kümmere mich ums Design, die Produktion und den digitalen Content, während Adrian für das Marketing und den Vertrieb zuständig ist. Wenn allerdings mal unerwartet viele Bestellungen reinkommen, hilft Adrian auch im Studio aus. Dabei entstehen dann auch oftmals neue Ideen.

Wie kam es dazu, dass ihr euren Brand gerade in Adelaide gestartet habt und nicht etwa in Köln, Hamburg oder Berlin, wo es ja die meisten deutschen Gründer hinzieht?
Reiner Zufall! In Deutschland hatten wir bereits T-Shirts produziert. Die Idee mit den Taschen kam uns erst, als uns die unverarbeiteten Massen an PVC, Polyester-Mesh, etc. in den Schoss fielen. Und das war eben nun mal hier! Abgesehen davon hat Adelaide eine extrem offene und wohlwollende Einstellung was Nachhaltigkeitsprodukte betrifft. Dazu kommt dann dieses außerordentliche Gespür für Mode, die hier natürlich unweigerlich an das Leben am Strand gekoppelt ist. Für jemanden aus der eher gemäßigten Klimazone war das schon was ganz Besonderes! Aber Berlin, Köln, das Ruhrgebiet etc. sind natürlich auch Gegenden, wo das urbane Leben mit der Mode harmoniert, die dort produziert wird. Dass wir uns da nicht falsch verstehen!

Was unterscheidet den australischen vom deutschen Markt?
Wie schon gesagt, finde ich, dass man gerade in Adelaide oder Melbourne viel sensibler ist, was handgemachte und nachhaltige Produkte mit lokalem Bezug angeht. Wir haben einiges an Möglichkeiten ausgelotet, etliche Pop-Up Stores ins Leben gerufen und letztlich den australischen Markt als unser Steckenpferd ausgemacht. Es fühlt sich richtig an, hier zu arbeiten. In Deutschland geht der Trend in eine ähnliche Richtung, aber wir hatten das Gefühl, dass man der Sache dort noch ein bisschen Zeit geben sollte. Das war hier anders. Was natürlich nichts daran ändert, dass wir uns über jede Bestellung aus Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach oder woher auch immer riesig freuen. Dieser Support macht uns besonders stolz.

Woher stammt der exotische Name? Hat er eine besondere Bedeutung?
Sehr besonders sogar! Der Name entstand damals in Aachen, als wir noch zur Uni gegangen sind. Wir benutzten das Wort Sasso synonym für Kollege oder Bruder. So nach dem Motto: „Hey Sasso, alles klar?“ Imél ist der Nachname eines guten Freundes, der bereits von Anfang an mit an Bord war. Im Nachhinein hat sich der Name einfach etabliert und steckt seither in unseren Köpfen. Catchy, nicht war? (lacht)

Gab es ein konkretes Vorbild für euren Brand?
Natürlich schnappt man Verschiedenes auch von anderen Brands auf. Die ursprüngliche Idee war dabei jedoch immer sehr simpel: Less is more. Wir lieben zum Beispiel japanische Designs. Aber auch aus den skandinavischen Ländern kommen immer wieder Formen, deren Minimalismus ziemlich sehr inspirierend ist.

Eure Tagline lautet ja: Live. Work. Explore. Nun ist ja Adelaide schon ein absoluter Auswanderertraum und alles andere als alltäglich, aber geht die Reise vielleicht noch weiter? Könntet ihr Sasso Imèl theoretisch auch von überall auf der Welt betreiben und dabei neue Orte "erkunden"?
(lacht) Oft frage ich mich, was noch besser sein könnte als 300 Tage Sommer im Jahr. Und das in einer Stadt, die so viel zu geben hat, gleichzeitig dennoch zu einer der isoliertesten Metropolen der Welt gehört! Wir sind ein junger und hungriger Brand, der das Motto nicht nur verkaufen, sondern auch dafür stehen will: Projekte in Köln, Kapstadt und Yokohama stehen auf unserem Plan. Ich meine, letztlich brauchen wir Nähmaschine und Strom, das war´s. An welchem Fleck der Erde wir uns dabei befinden, ist eigentlich nicht wichtig.

Folge Sasso Imèl!

Wenn ich richtig recherchiert habe, produziert ihr gerade jedes Stück komplett selbst - jedes Produkt ein Unikat also. Wenn ihr noch weiter wachst, wird es sicherlich irgendwann schwierig der Nachfrage gerecht zu werden. Sucht ihr schon nach Suppliern? Was müssten diese mitbringen?
Unsere Bags werden immer handmade bleiben. Wenn wir viel zu tun haben, finden wir kurzfristig immer helfende Hände, die uns mit Geschick und Leidenschaft zur Seite stehen. Das gilt vorallem für die Arbeit an der Nähmaschine. Kappen und Shirts hingegen kommen von Suppliern, die aber dann wieder von Hand bedruckt werden. Unsere Taschen, genauso wie unsere Fahnen werden allerdings von der Idee bis zum letzten Nadelstich von uns selbst produziert. Hundertprozentig in diesen Prozess mit einbezogen zu sein, ist etwas, auf das wir großen Wert legen und auch bei anderen Labels rund um den Globus bewundern.

Wie werden die Leute derzeit auf euch aufmerksam und wo kann man eure Produkte überall kaufen? Liefert ihr auch schon nach Deutschland? Ist das in Planung?
Momentan kann man unsere Produkte in einem Store in Adelaide kaufen. Der Laden verkauft nur Artikel, die von lokalen Brands kommen. Da passen wir ja ganz gut rein. Außerdem findet man uns einmal im Monat auf Pop-Up Märkten rund um Adelaide. Was Europa betrifft, da gibt’s leider „nur“ unsere Website. Im Sommer werden wir für ein bis zwei Wochen aber auch einen Pop-Up Shop in Köln aus dem Boden stampfen.
In einem früheren Interview hab ich gelesen, dass du im Hauptberuf als Architekt arbeitest. Ist das nach wie vor so? Falls ja, hast du eventuell schon ein festes Ziel vor Augen, wann du mit Sasso Imèl in Vollzeit gehen möchtest?
Stimmt, ich arbeite immer noch in einem Architektur-Büro, was auch immer noch Spaß macht und nebenher die Rechnungen begleicht. Sasso Imél hat im letzten Jahr echt zugelegt, was heißt, dass ich allmählich echt an meine Grenzen komme, gerade was Zeit für mich abgeht. An den Wochenende bin ich meist voll eingespannt und in der Woche fällt eigentlich auch jeden Abend was an. Wir sehen uns wohl selbst als Workaholics, aber wir lieben das, selbst wenn zwei, drei Stunden mehr am Tag nicht schlecht wären. (lacht) Wenn es zukünftig so weiter gehen sollte, werden wir Sasso Imél definitiv zu unserem Vollzeit- Projekt machen. Klingt vielleicht abgedroschen, aber mal ehrlich: Was gibt es Besseres als seinen Traumjob auch derart leben zu können?

Sasso_Imel_Handmade_Bags_Bild_6
Sasso_Imel_Handmade_Bags_Bild_5
Konntest du aus deiner Arbeit als Architekt auch Inspiration für deine Mode-Kreationen schöpfen? Funktioniert das vielleicht sogar in beide Richtungen?
Definitiv! In der Uni verbringt man ja ohnehin schon viele Stunden damit, sich über Designs, verschiedene Stile und außergewöhnliche Bauwerke zu unterhalten. Über die Jahre entwickelt jeder dann seinen eigenen Stil beziehungsweise sensibilisiert man sich für stilistische Vorlieben – sozusagen für das, was dem eigenen Auge besonders wertvoll und ästhetisch vorkommt. Ich für meinen Teil war immer fasziniert vom Kubismus und den minimalistischen sowie simplen Formen, die man mit dieser Epoche verbindet.

Welche Ziele habt ihr euch für die nächsten Monate mit Sasso Imèl gesteckt?
Ziele haben wir viele! Ein großer Erfolg war für uns erst einmal die Adelaide Fashion Week vergangenen Januar. Unsere Taschen auf einem Catwalk zu sehen, das war schon ein sehr besonderer Moment für uns. Des Weiteren sind wir immer an neuen Designs und Formen dran. Im Sommer wollen wir in Europa eine Canvas-Lederkollektion vorstellen, da freuen wir uns richtig drauf! Ansonsten gilt es weiter zu wachsen und jeden Tag Spaß an unserer Arbeit zu haben. Das ist das Wichtigste überhaupt! Wir lernen ja auch ständig neue Tips und Tricks, um unsere Produkte noch besser zu gestalten. Deshalb hoffen wir, dass es kontinuierlich nach vorne geht. Wir sind immer an Kollaborationen mit anderen Künstlern und Designern interessiert. Wenn ihr also dieses Interview lest, liked, followed und schreibt uns an!

Auch wenn man sich immer neue Ziele stecken sollte, aber: Was wäre dein "ultimate Goal", nach dessen Erreichen du auch getrost in Rente gehen könntest?
(lacht) Nein, niemals! Stillstand wäre das Allerschlimmste für uns. Wir wollen immer weiter planen, dazulernen und uns dabei auch immer wieder neu erfinden. Sollte uns doch mal nichts mehr einfallen, dann eröffnen wir eben ein stylisches Restaurant.
ohbrother.de - Follow us on Facebook

1 Comment

  1. George sagt:

    Sueper Stolz auf Dich . Es ist gerade ein Tag vor Deinem Geburtstag und habe das Interview gecheckt.
    Wir sehen uns im Sommer !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.